AyurSeMa

 

    Was ist eigentlich Ayurveda?

 

Ayurveda ist eine Jahrtausende alte, aus Indien stammende Heilkunst, die sich auch bei uns immer größerer Popularität erfreut. Bekannt wurde und wird sie hauptsächlich durch ihre Ölmassagen und exotisch anmutenden Stirngüsse, beides wird gerne im Wellnessbereich eingesetzt.
 

Aber Ayurveda ist mehr als das, viel mehr!
 

Dass hier ein komplettes, ja ganzheitliches medizinisches System existiert, ist nur wenigen bekannt, aber schon die Übersetzung des aus dem Sanskrit stammenden Wortes weist auf eine komplexe Lehre hin. Es setzt sich aus zwei einzelnen Worten zusammen: Ayuh, das Leben und veda, das Wissen, also die Wissenschaft vom Leben. Spätestens jetzt wird klar, dass es hier um mehr gehen muss, als um Entspannung verheißende Ölmassagen. Und es ist in der Tat so: Ayurveda birgt Heilkunde und Medizin bis hin zur Chirurgie. Und damit nicht genug, Ayurveda gibt Ratschläge zu Ernährung und Verhaltungsweisen, zur Lebensführung, und auch zur Haus- bzw. Wohnraumgestaltung, ähnlich wie das im Westen etwas bekanntere Feng Shui.

                                                                                                                          

Gutes und schlechtes Leben, glückliches und unglückliches Leben, das, was dem Leben oder anderen Lebewesen zu-, beziehungsweise abträglich ist; das Maß des Lebens und seiner Komponenten und das Leben selbst – wo all dies erklärt wird, das nennt man Ayurveda.                    

Caraka Samhita

Aber ganz gleich welcher Aspekt des Ayurveda betrachtet wird, im Mittelpunkt steht immer der Mensch, mit seiner ihm eigenen, ganz individuellen Verteilung seiner Doshas.

 

Die Doshas

Doshas sind Wirkprinzipien, die in der Lage sind, im Körper bestimmte Eigenschaften und Funktionen hervorzurufen. Sie bestimmen die Konstitution eines Menschen und schaffen so seine Individualität, da sie nicht bei jedem Menschen in gleicher mengenmäßiger Verteilung auftreten. Sie bewirken alle biologischen, physischen und psychischen Vorgänge im Körper.

 
Doshas.. das sind Vata, Pitta und Kapha. Vata ist das Prinzip der Bewegung, Pitta das der Hitze und Kapha das Prinzip der Stabilität. Sie alle setzen sich aus den gleichen fünf Elementen [den Mahabhutas], Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde zusammen, jedoch je nach Dosha wieder mit unterschiedlichen Mengenanteilen. So sind die Hauptbestandteile von Vata Äther und Luft, die von Kapha Wasser und Erde und der Hauptbestandteil von Pitta ist Feuer mit einem geringeren Anteil von Wasser. Aus dieser Verteilung lässt sich auf die Haupteigenschaften der Doshas schließen: So ist Vata in erster Linie leicht und trocken, Pitta heiß und Kapha schwer und kühl.

 

Sind die Doshas eines Menschen in ihrem Normalzustand, so wird dieser Mensch gesund sein. Sind die Doshas jedoch gestört, können sie Krankheiten hervorrufen. Ayurveda kennt und nennt Methoden, die Doshas eines Menschen im Gleichgewicht und ihn damit gesund zu halten oder aber bei gestörten Doshas diese wieder in ihre Harmonie zurück zu bringen. Dies meint nicht, bei allen Menschen gleiche Anteile von Vata, Pitta und Kapha anzustreben, sondern die individuelle Konstitution zu unterstützen, so wie am Anfang dieses Kapitels beschrieben.
 
Ein Dosha wird gestört, wenn es z. B. durch äußere Einflüsse über Gebühr vermehrt wird. So ist einem Menschen mit einem hohen Vata-Anteil ein Aufenthalt in einer kalten und windigen Umgebung nicht zuträglich. Aber auch ungünstige Ernährung wird sich negativ auf ein Dosha auswirken. So sind beispielsweise bei hohem Pitta scharfe Nahrungsmittel und bei starkem Kapha-Anteil süße Nahrungsmittel mit Bedacht zu genießen.

 

 

Die Ernährung und ihre Wirkung auf unsere Doshas

 

Wie eben erläutert, haben sowohl äußere Einwirkungen, wie z. B. das Wetter, als auch die Ernährung direkte Einflüsse auf die Doshas eines Menschen. So wie wir uns bei „schlechter“, beziehungsweise ungünstiger Witterung durch entsprechende Kleidung schützen können, so können wir durch die bewusste Auswahl von Nahrungsmitteln und Gewürzen Einfluss auf unsere Doshas nehmen. Können somit dort unterstützen wo notwendig, oder an anderer Stelle reduzieren (ein Dosha ist in der Regel zu stark ausgeprägt, wenn man von einer Dosha-Störung spricht).

Eine direkte Wirkung auf die Doshas haben die sechs Geschmacksrichtungen [die sechs Rasas] unserer Nahrung. So wirken die Geschmacksrichtungen süß, sauer und salzig besänftigend (reduzierend) auf das Vata-Dosha, während scharf, bitter und zusammenziehend Vata erhöhend wirken, und somit eine Vata-Störung noch zusätzlich steigern würden.

Umgekehrt beruhigen der scharfe, der bittere und der zusammenziehende Geschmack ein erhöhtes Kapha-Dosha, indessen die Geschmacksrichtungen süß, sauer und salzig Kapha erhöhen.

Pitta wird von süß, bitter und zusammenziehend gemindert, hingegen von scharf, sauer und salzig erhöht.

Die am stärksten Vata senkende Geschmacksrichtung ist salzig, der süße Geschmack ist am stärksten Pitta beruhigend, bei Kapha ist es der scharfe Geschmack welcher am wirksamsten reduziert.

 

Aber nicht nur der Geschmack, den wir unmittelbar wahrnehmen können, auch subtilere Eigenschaften unserer Nahrungsmitteln wirken in uns. So wirken manche Lebensmittel heiß, andere kalt, wieder andere schwer oder aber leicht, weitere zum Beispiel trocken oder feucht. Diese Eigenschaften [die Gunas] wirken gleich oder entgegengesetzt zu den Eigenschaften, welche die Doshas in sich bergen. Gleiche Eigenschaften summieren sich und verstärken auf diese Weise das entsprechende Dosha. Entgegengesetzte Eigenschaften gleichen sich aus und wirken so beruhigend auf das Dosha. So wirken erhitzende Speisen Pitta erhöhend, kühlende Speisen Pitta senkend. Trocknende oder kühlende Speisen steigern Vata, kühlende oder feuchte Speisen erhöhen Kapha.

 

Das zuvor geschriebene stellt nur einen kleinen Teil der Fülle der ayurvedischen Ernährungslehre dar, zeigt aber deutlich, dass Lebensmittel mehr sind als bloße Energielieferanten oder Genussmittel:

Sie sind eine Quelle, die - richtig eingesetzt - uns ein gesundes Leben ermöglichen kann.

 

„Der Körper ist ein Produkt der Nahrung, die er aufgenommen hat. Krankheit entsteht auf Grund falscher Ernährungsweise. Der Unterschied von Freude oder Gesundheit und Schmerz oder Krankheit entsteht durch die Unterscheidung von gesunder und ungesunder Ernährung“ 

Caraka Samhita